Maddy Rose über ihr neues Album: “Ich will unverfälschten Live-Sound”

Foto: Michael Prokop

Maddy Rose ist längst keine Unbekannte mehr in der österreichischen Musiklandschaft. Die gebürtige Salzburgerin ist Soul und Pop-Sängerin, freischaffende Künstlerin und lebt nach einem längeren Aufenthalt in London mittlerweile in Wien. Dort wurde sie vom Female Independent Label “Silvertree Records” unter Vertrag genommen. Sie war u.a. bereits im Finale von The Voice Austria, gewann am Donauinselfest 2020 und wurde von niemand geringerem als Musikredakteur-Legende Eberhard Forcher in den Himmel gelobt. Am 23. Oktober 2020 erscheint ihre neue Single “Indigo Blue”.

Das Popmagazin schrieb in einem Artikel über dich und deine Musik „Amy Winehouse meets Billie Eilish“. Kann man sich ein schöneres Kompliment wünschen? Wie und wo ordnest du dich ein?

Ja, das ist wirklich ein toller Kommentar und ein schönes Kompliment. Ich persönlich liebe die Songs von Amy Winehouse. So schön ihr Songwriting ist, leider war es auch geprägt von ihrem doch sehr tragischen Leben. Aus der Musik hat sie dennoch immer das Schönste gemacht. Meine größten Inspirationen sind aber sicher Norah Jones sowie Carole King. Das sind Power-Frauen mit sehr viel Gefühl und femininer Stärke! 

Du bist nach deiner Ausbildung nach London gegangen – was hat dich wieder nach Wien zurück gebracht bzw.: Was konntest du musikalisch aus der „europäischen Zentrale der Popmusik“ mitnehmen? 

Ich wollte London als eine temporäre Phase voller Erfahrungen und Einflüsse nützen. Diese vier Jahre haben mich menschlich sowie musikalisch sehr geprägt, das Musikbusiness dort ist extrem hart und schnelllebig. Man muss sich wirklich eine dicke Haut aneignen, wenn man sich auch nur irgendwie als Künstler einen Namen machen will. In der Selbstvermarktung hat mir das enorm viel beigebracht. Was ich dort aber gelernt habe, das wollte ich zurück in die Heimat bringen. Ich wollte den London-Spirit in meinen Songs beibehalten.

Foto: Michael Prokop

„You ain’t got me waiting“ stellt sich als durchaus selbstbewusste Nummer in den Vordergrund und beweist, das Jazz, Pop und aussagekräftige Texte Hand in Hand gehen können. Was war deine Intention dahinter? 

Dankeschön, das freut mich zu hören! Musikalisch habe ich mit der Band “Mashiko” und dem Produzenten David Piribauer einen retro, aber auch modernen Soul-Sound gesucht. Ich wollte einmal weg vom Piano zu mehr Instrumentation. Textlich geht es um ein Beziehungs-Aus und, dass man den durchaus als positiven Neustart mit viel Euphorie feiern kann. 

Du hast eben erst eine Förderung des österreichischen Musikfonds erhalten – Gratulation an dieser Stelle. Damit veröffentlichst du Ende Oktober deine neue Single „Indigo Blue“. Kannst du mir ein bisschen was über den Song erzählen? 

Ja, die Förderung war eine wirklich tolle Überraschung, mit der ich nicht gerechnet hätte. “Indigo Blue” hat viele Jazz- und Blues-Facetten, spielt auch mit verschiedenen Tonartwechsel. Geige und Cello geben dem ganzen einen vintage Charakter und die Vocals versprühen viel Soul und Gefühl. Es geht um Indigo blaue Augen, in denen man sich für immer verlieren und wiederfinden möchte. 

Was gibt es da heuer bzw. Anfang 2021 noch alles von dir zu hören? In welche Richtung entwickelt sich das neue Album? 

Es wird ein all-female Soul- und Jazz-Album. Dabei steht im Vordergrund, dass alles akustisch eingespielt wird – ohne im Studio produzierten Sounds oder Effekten. Die Ästhetik von unverfälschter Live-Musik ist mir dabei sehr wichtig, um so den Zuhörern ein authentisches, pures Gefühl zu vermitteln. Ich hab dem Produzenten vorab auch verboten meine Vocals zu bearbeiten. Ich möchte kein Melodyne oder Autotune auf meiner Stimme um sie “schön und glatt” zu bügeln, denn sonst verliert sie ihren Charakter. 

Als Künstler und Kreative stecken wir derzeit in einer unsicheren Lage: Wie gehst du mit der Corona-Zeit um? Wie hältst du dich motiviert bzw. war es möglicherweise sogar ein kreativer Boost? 

Anfangs war ich in einem kleinen Loch, das kann ich nicht verleugnen. Aber nach und nach sind Optimismus und Vertrauen zurückgekehrt. Ich habe mich dann auf die Schaffung und Planung von Events und Produktionen für nach Corona fokussiert. Es sind dann wohl wieder mehr Gig-Anfragen eingetrudelt – leider sind einige davon auch ebenso schnell wieder abgesagt worden. Trotzdem war und bin ich guter Hoffnung, nehme jede Möglichkeit wahr, schaue voraus und gehe mit meinem Ersparten noch bedachter um. Keiner weiß, wann das ganze Ungewisse wieder vorbei sein wird. Ich versuche mir keine Sorgen zu machen, das verschwendet zu viel meiner Energie. Diese Energie stecke ich lieber in jeden Tag, nehme ihn wie er kommt und mach das Beste daraus.

Foto: Michael Prokop

Du bist Gewinnerin des Donauinselfest 2020-Contest und warst im Finale von TheVoice 2018. Eberhard Forcher, einer der wohl bekanntesten Musikjournalisten des Landes sagt über deine Stimme: „Eine tolle Sängerin, von der man in Österreich noch viel hören wird“. Was sind deine Ziele? Wohin geht die musikalische Reise und kannst du dir vorstellen auch die musikalischen Genres zu wechseln? 

Wohin meine musikalische Reise geht, das wird sich mit der Zeit zeigen. Auf jeden Fall weiß ich, dass es immer irgendwie weiter geht. Mein Ziel ist natürlich mit meiner eigenen Musik soviel Menschen wie möglich zu berühren und zu erreichen. Ich möchte Konzerte spielen, bei denen ich die Zuhörer in eine andere Welt entführen kann, inspiriere und dort abhole wo sie sich gefühlsmäßig befinden. Ich möchte mit meinen Liedern Hoffnung und Entspannung kreieren. Wir leben in so stressigen Zeiten voller Konkurrenz und Pessimismus, da will ich mit meiner Musik entgegenwirken. Das Genre zu wechseln kann ich mir nicht vorstellen aber ich lass gern andere Musikstile einfließen und mich im Songwriting inspirieren. 

Schreibst du deine Songs selbst? Woher nimmst du dir Kreativität, wovon/wodurch lässt du dich beeinflussen?  

Ja, ich schreibe alle meine Songs selbst am Piano. Im Vordergrund steht das Ausgangsgefühl, was der Song ausdrücken soll und wie man sich fühlen könnte wenn man ihn anhört. Oft verarbeite ich kürzlich Erlebtes, Fragen auf die es keine Antwort gibt, Sinn und Grund von Unerklärlichem. Es ist mir wichtig, dass sich jeder in meinen Songs wiederfinden kann und seine eigene Geschichte dadurch erzählen. 

Wenn du nicht gerade Musik machst, womit beschäftigst du dich?

Ich liebe es in der Natur zu sein, mit Freunden lange Gespräche zu führen, zu Events oder Jam Sessions zu gehen und mich in der Küche kulinarisch auszutoben. 

Foto: Michael Prokop

Wer sind deine (musikalischen) HeldInnen und warum? 

Meine Songwriting Helden sind Billy Joel und Tom Odell. Die Songs sind sehr intellektuell komponiert, musikalisch sowie textlich. Tom Odell war der Grund wieso ich damals nach London ging, er wurde in der Open Mic Szene von Lilly Allen entdeckt. Das hat mich motiviert dasselbe zu tun und so habe ich 3-4 mal die Woche live Gigs gespielt und Auftritts-Erfahrung in London gesammelt.  

Norah Jones und Carole King sind weitere große Heldinnen, sie spielen, schreiben und performen selbst. 3in1 Powerfrauen, von denen man viel lernen kann und wovon ich mir viel abschaue.