Falco goes school: Auf der Suche nach den Helden von heute

Privat wie beruflich agiert Wolfgang Kosmata stets aus der zweiten Reihe. Wenig ist über den Oberösterreicher bekannt. Zu erzählen hätte er allerdings genug. Der vierfache Familienvater ist seit einigen Jahrzehnten überaus erfolgreich in der Musikszene unterwegs. Mit Sängern wie Elton John oder Seal ist er seit Jahren unterwegs. Auch sonst ist er ein musikalisches Universalgenie: Als Produzent, Konzertveranstalter, Manager  – und seit 2014 als Beirat in einer der bekanntesten Stiftungen Österreichs, der Falco Privatstiftung. In dieser Funktion hat Wolfgang nun die zweite Reihe verlassen, um andere in das Scheinwerferlicht zu stellen – nämlich die Helden von heute.

Das Projekt, dessen Name – wie der unserer Website übrigens – auf dem gleichnamigen Falco-Song basiert (einer der wenigen Songs bei denen der Star sowohl Text als auch Musik selbst geschrieben hat), startet mit der Initiative “Helden von heute – Falco goes school” und hat sich zum Ziel gesetzt Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben ihr Talent unter Beweis zu stellen. Doch während bei Casting Shows die Vermarktung im Vordergrund steht, geht es der Falco Privatstiftung darum, den Nachwuchskünstlern und Stars von morgen Unterstützung durch Musiklegenden und Profis anzubieten. In jedem Bereich. Wir haben Wolfgang zum Interview gebeten und dann doch ein bisschen etwas über seine Person und vor allem über das Projekt “Helden von heute” erfahren.

Falco goes school

Website zum Projekt Helden von heute
Wolfgang, bevor ich zu Helden von heute komme, würde mich interessieren wer du bist, und was du sonst so machst?

Ich bin ein Mensch mit vielen Ideen und jemand, der sich selbst nicht so wichtig nimmt. Deshalb stehe ich nicht so gerne in der ersten Reihe und spreche über mich. Weit wichtiger ist es mir, dass meine Ideen und Konzepte Erfolg haben und damit auch die Künstler. Meine amerikanischen Freunde schimpen immer mit mir, weil sie mit mir nicht auftrumpfen können, von wegen: der kennt den und den. Ich habe durch meine berufliche Laufbahn im Musikbusiness ein enorm großes Netzwerk aufgebaut.

Geht das auch ein bisschen konkreter?

Na gut, wenn du unbedingt ein Beispiel willst (lacht). Ich habe unter anderem Elton John-Konzerte organisiert. Du kannt dir vorstellen, wenn man da einmal dabei ist, lernt man gleich viele interessante Personen kennen, mit denen man auch weiter zusammenarbeitet. Aber was mir wichtig ist, ist zu zeigen: Die Künstler selbst sind ganz normale Leute. Sofern man ihnen gegenüber ehrlich ist und ihnen ein familiäres Gefühl bietet. Vor allem als Veranstalter. Als Beispiel: Ich habe bei einem Konzert 2004 für Elton John einen Backstage-Bereich geschaffen, der einem Wohnzimmer geglichen hat. Die waren alle schwer begeistert. Oder anderes Beispiel: Seal. Denen habe ich einfach nur einen guten Koch organisiert und die Begeisterung war enorm. Das Wichtigste ist, dass man persönlich mit den Menschen in Kontakt ist und sich entsprechend verhält. Dann bleibt man in Erinnerung.

Und wie genau darf ich deinen Beruf definieren?

Das fragen mich meine Kinder auch immer: Papa, was machst du eigentlich? (lacht). Ehrlich gesagt, das kann ich so klar nicht definieren. Du kannst dir das ein bisschen so vorstellen, wie die Entwicklung von Tankstellen. Früher bist du hingefahren um zu tanken. Heute bekommst du dort Zeitungen, Tabak, Lebensmittel usw..

Ich habe ursprünglich damit begonnen Künstler zu managen, als ich selbst noch gespielt habe. Damals war ich viel in Deutschland unterwegs. Dann habe ich mir gedacht, ich kann die Künstler doch auch gleich produzieren – also habe ich ein Tonstudio aufgemacht.  Irgendwann hatte ich eine Konzertdirektion, Künstlermanagement und war auch noch Produzent. Nur die Plattenfirmen taten nicht das, was meinen Ansprüchen entsprach. Also habe ich auch noch einen eigenen Musikverlag gegründet. Diese 5 Firmen sind meine Basis. So bin ich finanziell abgesichert und muss nicht jedes Jahr ein Open Air veranstalten. Heute betreiben meine beiden Töchter den Großteil der Firmen, damit ich mich auf mein Engagement in der Falco-Stiftung konzentrieren kann.

Schöne Überleitung, damit spielst du auf dein aktuelles Projekt ‘Helden von heute’ an. Wir kommen gleich darauf zu sprechen. Zunächst interessiert mich: Wie bist du überhaupt zur Stiftung gekommen?

Ich habe Ronnie Seunig (enger Freund Falcos und Gründer der Falco Privatstiftung sowie Gründer der Excalibur City, Anm.) im Jahr 1998 kennengelernt. Damals habe ich für seine Agentur in Wien gearbeitet und für verschiedene Künstler das Management und die Abwicklung von Produktionen gemacht. In der ExcaliburCity habe ich Veranstaltungen abgewickelt. Seitdem kennen wir uns. Als Falcos Mutter, Maria Hölzel, 2014 gestorben ist,  hat er mich gefragt, ob ich als Beirat in der Privatstiftung dabei sein möchte. Für mich war eine große Ehre aber gleichzeitig ein unglaubliches Aufgabengebiet.

Welche Aufgaben fallen der Falco Privatstiftung eigentlich zu?

Seit Falcos Tod ist eigentlich alles Brach gelegen. Dabei gibt es einen enormen Fundus – bis hin zur Falco-Villa. Die Stiftung hatte zwei Zwecke: die Versorgung von Falcos Mutter und die Nachwuchsförderung. Heute, 2 Jahre nach dem Tod von Maria Hölzel, steht nur noch letztere im Fokus. Dabei wird natürlich der 60. Geburtstag Falcos im Jahr 2017 eine große Rolle spielen.

Wie ist dein persönlicher Bezug zu Falco?

Ich habe mich mit ihm schon immer beschäftigt, ihn aber leider nie persönlich kennengelernt. Allerdings habe ich seine Mutter kennenlernen dürfen. Und da sind wir auf einen witzigen Zufall gestoßen: Falco hat ja kurze Zeit in der Pensionsversicherungsanstalt in Wien im Archiv gearbeitet. Ich habe in Linz bei der Pensionsversicherungsanstalt gearbeitet. Und dann gibt es da noch eine witzige Gemeinsamkeit: Eine meiner Töchter hat am 13. März Geburtstag. Am 13. März erreichte Falco damals mit Rock me Amadeus den Platz 1 der US-Billboard-Charts und ist auch seine vermeintliche Tochter geboren..

 

Welcher ist dein Lieblingssong?

Da gibt es viele. Ich finde es unglaublich, dass seine Musik so zeitlos ist. Wenn du die Songs heute hörst, sind die Texte noch immer 1:1 auf unsere jetzige Gesellschaft anwendbar. Sie haben den Zeitgeist nicht verloren. Aber dazu muss man sagen: Falco war nicht einfach nur Sänger, sondern eine Figur, die er ständig neu erfunden hat. Er wusste schon, dass das Gesamtpaket wichtig ist. Um das geht es auch bei unserem Projekt Helden von heute.

Helden von heute, was plant ihr mit diesem Projekt genau und wer wird dadurch angesprochen?

Wir sehen uns als Nachwuchsförderung und wollen Talenten eine Möglichkeit geben, sich zu entwickeln. Wenn jemand gut singt, heißt das noch lange nicht, dass er auch Songs arrangieren kann – da wollen wir helfen. Oder wenn jemand gute Songs schreibt, aber beim Singen noch Hilfe benötigt, bieten wir Vocal-Coaching an. Generell sehen wir uns als Unterstützer. Egal ob als Sängerin oder Sänger oder gar als komplette Band. Diese Möglichkeit, einfach eine 360-Grad Unterstützung im Musikbereich zu bekommen, das soll Helden von heute ermöglichen. Helden von heute bedeutet: Ich bin ein Held, aus welchen Gründen auch immer.

Und wie kommt ihr zu den Talenten?

Was ich betonen möchte: wir suchen niemanden, sondern wir wollen die Leute auffordern, sich bei uns zu melden. Dann laden wir sie ein. Deswegen gehen wir im ersten Schritt an die Schulen: Dort gibt es zwar vielleicht Bandwettbewerbe, aber sonst noch keine musikalische Struktur. Es tummeln sich dort aber viele Talente und Rohdiamanten. Deshalb haben wir das Projekt in drei Stufen eingeteilt: Volksschule, Unterstufe und Oberstufe. Wir wollen damit auch den Stellenwert von Musik an Schulen fördern, auch hinsichtlich der Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern, die gemeinsam Musik machen. Ich erwarte mir eigentlich schon, dass es viele Talente gibt, die von Lehrern gerne unterstützt werden.

Aber wie erkennt man gute Talente, was macht ein Talent aus?

Mit dem Talent ist es so eine Sache. Nur weil du es hast?, heißt das noch nicht, dass du erfolgreich wirst. Das kann man schön am Beispiel eines Jazz-Club-Musikers veranschaulichen: da sind großartige Musiker darunter, die sich mit ihren Engagements in den Big Bands gerade so über Wasser halten. Ein anderer kann gerade einmal drei Gitarrenriffs und füllt ganze Stadien. Nur weil jemand ein Profimusike rist, heißt das nicht, dass er international erfolgreich sein kann. Denn es gibt viele talentierte Menschen, die ihr Talent einfach nicht richtig rüberbringen können. Die Wahrheit ist: man muss für die gewünschte Zielgruppe funktionieren und auch vermarktbar sein. Es muss einfach ankommen bei den Leuten.

Hast du einen Tipp für zukünftige Stars?

Ich erwarte mir nie den Erfolg, sondern erkämpfe ihn mir. Gerade in der Künstlerbranche ist es wichtig den Menschen die Illusion nehmen, dass man sofort weltberühmt wird und Millionen verdient. Man muss klipp und klar sagen: die Musikbranche ist finanziell down. Auch wenn du einen Nummer 1-Hit hast, wenn du im Hintergrund nichts produziert hast, dann bist du weg. Der Künstler muss sein Tun als Job verstehen. Doch den Job, den macht er draußen, das ist die Welt des Entertainments. Wenn man wieder mit seiner Familie und seinen Freunden beisammen ist, dann ist das Reality. Das darf niemand vergessen. Sonst hebt man zu schnell ab.

Was kann man bei euch eigentlich gewinnen?

In erster Linie Beratung durch Profis. Alleine im Falco-Beirat sitzen Leute wie Harald Hanisch (Vize Präsident Komponistenbund) oder Hannes Eder (Boss von Universal Music). Die Möglichkeit bei solchen Größen aufzufallen, ist in der Branche ein enormer Vorteil. Darüber hinaus werden wir von vielen Künstlern unterstützt. Auch von einem Rob Bolland (langjähriger Komponist von Falco und Macher von “Rock me Amadeus”) ). Rob Bolland hat sich sogar schon als Produzent angeboten.

Das hätte ich zu meiner Schulzeit gerne gehabt, dann wäre aus meiner Band vielleicht was geworden.

Du wirst lachen, das hat uns schon jemand auf die Pinnwand bei Facebook gepostet. Da bist du nicht der einzige.

Wie finanziert ihr das Ganze?

Das ist ein wesentlicher Punkt, vor allem für den Bewerb: wir haben kein finanzielles Interesse. Finanziert wird alles durch die Privatstiftung. Eine Castingshow braucht Sponsoren, Werbung etc. – das brauchen wir nicht. Wir haben unsere tollen Kooperationspartner schon gefunden. Zum einen PULS4, mit Nina Kaiser, Armin Doppelbauer, Verena Grether, Dr. Michael Stix, Karin Kainzbauer – die sind unglaublich super. Die unterstützen uns mit der vielen Schaltungen unseres  TV-Spots und das zu den besten Einschaltzeiten.. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein Dank gilt aber auchSabine Miesgang von den Regional Medien und Karl Pufler von der Wiener Bezirkszeitung. Auch von denen werden wir großartig unterstützt.

IMG_2267

Foto: Lorin Canaj

Nochmal zum Thema “Helden von heute – Falco goes school” – bleibt das vorerst so?

Nein, der Übertitel des Projekts ist Helden von heute. “Falco goes school” ist ein erster Schritt. Es kann später auch einmal ein “Falco goes Clubs” geben und mehr. Das Ganze könnte man sogar in den universitären Bereich heben und Ausbildungen im Musikbereich ermöglichen, wer weiß. Möglicherweise kann Falco auch in Richtung Mode gehen – oder in Richtung Tanz. Falco selbst hat ja – bis auf Helden von heute und ein paar andere Stücke – vorwiegend Texte geschrieben, selten die Musik. Das heißt, warum nicht auch Falco goes lyrics?

Und mit welchen Songs kann man euch jetzt überzeugen? Coverversionen von Falco oder Eigenkompositionen?

Ganz klar und deutlich: Man muss keinen Falco-Song singen! Wir wollen Talente finden und dabei geht es nicht nur um Gesang. Wir wollen auch talentierten Songwritern, Musikern, Selbstdarstellern die Chance geben. Denn sonst wird man nie den nächsten Falco finden. Es soll so vielseitig sein, wie es nur geht.

Also Falco goes school international?

Warum nicht. In der aktuellen Rock me Amadeus-Ausstellung im Mozarthaus kann man sich schön ansehen, wie bekannt Falco war und immer noch ist. Es gibt Falco-Fanclubs in Amerika, Spanien, Russland – richtig große Fanclubs. Falco ist absolut präsent. Ein Kollege von mir ist Produzent in Los Angeles und ruft mich immer noch an, wenn gerade wo ein Falco-Song läuft. Nach wie vor besteht ein großes Interesse an Falco auf der ganzen Welt.

Wie definierst du den Heldenbegriff?

Ein Held ist jemand mit einem außergewöhnlichen Talent und einer Berufung, die sich in außergewöhnlichen Projekten niederschlägt. Für mich ist ein Feuerwehrmann ein Held, für mich ist die Krankenschwester in der Unfallambulanz eine Heldin. Auch Leute, die sich um Demenzkranke kümmern. Genauso jemand, der die Massen begeistern kann. Egal ob Fußballspieler, Schauspieler oder Sänger. Das sind für mich alles Helden.