Live, Love, Laugh, Vienna: Wenn das Burn-out zum Erfolg wird

Burn-out ist gleich ausgebrannt und ausgelaugt? Von wegen. Dass selbst ein Tief seine guten Seiten haben kann, beweist Janine Räker eindrucksvoll. Die erfolgreiche Managerin hat aus der Not eine Tugend gemacht. Um sich selbst zu motivieren startete sie ein Instagram-Profil mit dem Fokus: positives Denken. Heute, knapp ein halbes Jahr später, sind bereits fast 10.000 Menschen auf dem Profil aktiv. Sie lassen sich täglich aufs Neue motivieren. Wie die 33-Jährige das geschafft hat? Uns hat sie es erzählt.

Positives Denken gewinnt. Immer.

Ich entdecke Janines Profil „live_love_laugh_vienna“ rein zufällig, durch eine Empfehlung auf Instagram. Der zungenbrecherische Name des Accounts spricht mich an. Er erinnert mich an diesen Film mit Julia Roberts, in dem sie sich durch die Welt isst und liebt. Eat, pray, love. Ein Werk, das viele Männer bis heute nicht verstehen. Aber sei’s drum. Der Auftritt von Janine ist selbsterklärend: Das Leben und sich selbst lieben, das ist hier das Motto. Mit jedem Wisch und Klick durch die beachtenswert aktive Community – die die gebürtige Lipperländerin seit Juni 2017 aus dem Nichts und ohne Werbung aufgebaut hat, wie sie mir bei unserem Gespräch einige Tage später erzählen wird – fühle ich mich selbst zunehmend animiert mitzumachen. Die Community ist höchst aktiv und Janine selbst antwortet prompt, ist nie um einen Ratschlag verlegen. Mir ist klar: eine Heldin von heute, die ich unbedingt kennen lernen muss. Wenige Tage später sitzen wir am Wiener Karmelitermarkt und als ich der 33-jährigen Neo-Bloggerin persönlich gegenübersitze wird mir einmal mehr bewusst: Positives Denken gewinnt. Immer.

Es sei ihr erstes Interview, eröffnet mir Janine. Immerhin: Bis Juni 2017 hatte die quirlige Optimistin mit Texten und Bloggen oder Instagram gar nichts am Hut. Umso beeindruckender ist ihre über 9.300 Follower zählende Instagram-Community, für die Janine als Influencerin zunehmend Bedeutung gewinnt. Doch wie kommt man dazu, aus dem Nichts zur Bloggerin zu werden? Durch ein Burn out. Wo andere aufgeben und sich fallen lassen, hat sich Janine kurzerhand eine Zwangspause verordnet und sich neu gefunden. Doch ganz so einfach sei es natürlich nicht gewesen, gibt sie unumwunden zu.

https://www.instagram.com/p/BZ824fDncSu/?taken-by=live_love_laugh_vienna

„Als ich alles hatte, hatte ich nichts mehr“

„Immerhin habe ich meinen Job geliebt und bin darin aufgegangen“, sagt Janine. Nach einem Studium in der Fachrichtung Wirtschaft und Recht mit Schwerpunkt Mediendesign an der Rheinischen Fachhochschule Köln, steigt sie in Deutschland in ein großes Modeunternehmen ein. Ihre Karriere führt sie rasch nach Wien, das sie als Wahlheimat schnell ins Herz schließt. „Ich liebe Wien, die Menschen, die Stadt, das extrem gute Essen. Wien hat seinen eigenen Flair und einfach echt gutes Wetter“, sagt Janine mit einem Lächeln und erzählt, dass ihre Karriere in der ehemaligen Kaiserstadt erst so richtig durchgestartet sei. Bald wurde sie zu einem großen Handelskonzern geholt, wo sie als Senior Category Managerin bis heute direkt der Geschäftsleitung unterstellt ist. Soweit alles prächtig. Auch privat gibt Janine alles, besonders sportlich: „Ich habe mich ständig gepusht, wollte immer weiter, mich selbst herausfordern.“ Doch mit jedem Schritt nach vorne, entfernte sie sich von ihren Leidenschaften.

Bis sie in ihrem Tun Anfang 2017 plötzlich keinen tieferen Sinn mehr erkennt: „Dabei war alles perfekt. Ich war erfolgreich und musste mir um nichts Sorgen machen. Genau zu diesem Zeitpunkt verschwand der Ansporn aus meinem Leben. Heute weiß ich: Als ich alles erreicht hatte, hatte ich nichts mehr. Es war für mich immer schwieriger für irgendwas Freude zu empfinden. Ich ging mit Freunden aus, lenkte mich ab. Aber da war eine Leere in mir. Es musste sich was ändern, ich wusste nur nicht wie.“ Janine erhält die Diagnose: Burn out. Es folgen viele Gespräche mit Freunden und Familie. Doch die Antworten stellen sie wenig zufrieden: Sie müsse etwas finden, das ihr Spaß mache, lauten die Ratschläge unisono. „Das war für mich ein kleines Desaster. Denn ich glaubte, dass ich nichts hatte, was mir Spaß machen könnte“, erzählt sie.

„Nimm nicht alles zu ernst und wichtig!“

Janine fühlt sich mit dem Rücken zur Wand. Paradoxerweise jener Ort, wo sie den Input für ihr heutiges Schaffen findet. Konkret: im Bücherregal ihrer Mödlinger Wohnung. Unberührt steht dort das Werk „Der Code – Der neue Weg zum positiven Denken“. Lange Zeit habe sie solche Ratgeber belächelt, gibt Janine zu. Doch die Lektüre zeigt Wirkung: „Ich realisierte, dass ich nicht mein gesamtes Leben umkrempeln muss, um mich besser zu fühlen. Aber ich bin ausschließlich selbst dafür verantwortlich, dass es gut geht. Man muss die Veränderung wollen und jeden Tag aufs Neue davon überzeugt sein.“ Deshalb ihr Rat an alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden: „Bleib wie du bist, nimm nicht alles zu ernst und wichtig. Wenn du nicht weiter weißt, die Freude verloren aber möglicherweise Angst vor der Veränderung hast, dann frag dich immer, was das Schlimmste ist, was dir passieren kann. Wenn du dir bewusst wirst, dass es meistens gar nicht so schlimm ist, dann fallen alle Entscheidungen und Veränderungen viel leichter.“

Die Wende kam durch Instagram

Heute gibt Janine jene Tipps, die ihr selbst aus ihrem Tief geholfen haben in kreativer Weise via Instagram weiter. Sie hilft anderen beim positiven Denken. Ihre authentische Darstellung dürfte der Grund für ihren Erfolg sein. Dabei stand dieser zu Beginn gar nicht im Fokus. Die Entscheidung auf Instagram aktiv zu werden war eine rein „egoistische“, wie Janine es formuliert. Das Profil sei zunächst öffentlich gar nicht zugänglich gewesen. „Ich bekam immer wieder den Tipp ein Tagebuch zu führen. Doch ich wollte mir die Dinge nicht von der Seele schreiben. Deshalb begann ich Zitate über das positive Denken auf Instagram zu posten – und dazu fröhliche Fotos von mir zu machen.“ Mittlerweile ist der Name „live_love_laugh_vienna“ Programm – auch bereits im Web abrufbar via www.livelovelaughvienna.com.

https://www.instagram.com/p/BaWpicWnDwY/?taken-by=live_love_laugh_vienna

Täglich postet Janine zwei Beiträge und mindestens zwei oder mehrere Storys. Viel Arbeit, die ihr unendlich Spaß mache. Außerdem sei es eine Art selbstauferlegte Gute-Laune-Therapie: „Das Machen der Fotos und Videos bringt mich regelmäßig zum Lachen. Das tut gut. Wer viel lacht, beginnt automatisch die guten Dinge an sich zu sehen. Man konzentriert sich auf das Positive und nicht mehr auf vermeintliche Fehler.“ Doch Janine gibt zu, dass es eine große Überwindung gewesen sei, sich selbst zu filmen und private Dinge zu posten. „Ich hab mich am Anfang total komisch gefühlt und nur Videos gemacht, in denen ich nicht gesprochen habe.“ Doch durch das positive Feedback ihrer Community verschwand die Scheu. „Mittlerweile ist es mir egal, wie ich auf den Bildern und Videos aussehe. Entweder man mag mich wie ich bin, oder man lässt es bleiben.“

Tipps für Instagram-Newbies

Für Instagram-Neulinge hat Janine Räker einen ganz einfachen Rat: „Man muss sich von anderen abheben und authentisch bleiben. Nur willkürlich posten bringt nichts. Außerdem sollte man sich Tools suchen, um zu recherchieren welche Zielgruppe man anspricht und wann diese online ist. Ganz wichtig: Kommuniziert mit euren Fans. Immerhin lassen sich hier andere auf deine Inhalte ein, da musst du natürlich Feedback geben.“ Ob es attraktive Menschen auf Instagram leichter hätten, Publikum zu generieren, möchte ich von ihr noch wissen: „Man glaubt Instagram funktioniert nur, wenn man überdurchschnittlich attraktiv ist. Das stimmt nicht. Es gibt viele Frauen, die nicht dem gängigen Ideal entsprechen, sich nicht über ihren Körper definieren, aber äußerst erfolgreich sind.“

Zukunftsplan: Weltreise

Ihr Leben habe sich seit diesem Schritt in die Öffentlichkeit total geändert, sagt Janine und erzählt freudestrahlend von den kommenden Monaten. Denn die Powerfrau hat Großes vor: Ihren Job hat sie gekündigt, einen konkreten Lebens- und Karriereplan bewusst über den Haufen geworfen – und für Jänner ein Ticket nach Bali gebucht. Der Beginn einer Weltreise, die sie völlig entspannt auf sich zukommen lassen will: „Es gibt bisher nur einen Flug nach Bali – und von dort aus mache ich das, wonach mir gerade ist. Selbst wenn ich nach vier Wochen wieder komme, weil es mich nicht mehr interessiert, ist das ok. Ich will jetzt einfach einmal etwas ganz ohne Plan machen. Nur für mich.“ Wobei: ganz alleine wird sie wohl nie sein, ihre Follower nimmt Janine garantiert mit auf Reisen. Sozusagen live, laugh, love worldwide.