Ausblick 2016: Jahreswechsel im Smog

Die Jahreswende führte mich heuer in die Modemetropole Mailand. Aller Smog-Warnungen zum Trotz, trat ich die Reise an – wenn auch mit gemischten Gefühlen. Die Erfahrungen nährten sich von unerträglich stickiger Hotelzimmerluft, reichten aber bis hin zur herrlichen Aussicht bis über die Stadtgrenzen hinaus. Für mich bleibt eine Stadt, voller schöner Geschichten und ein nachdenklicher Geist zum Thema Umweltschutz.

Der Jahreswechsel bringt für viele neue Hoffnungen, Wünsche und Vorsätze mit sich, die unter funkelndem Höhenfeuerwerk begossen werden. Mein Silvesterabend fiel heuer jedoch ganz ohne Knallkörper aus. Auf der Raststätte kurz vor Mailand bot die in Nebel gehüllte Stadt nur ein kleines bisschen Hoffnung auf sonnige Tage. Italiens Metropole leidet unter exorbitanter Luftverschmutzung, die nicht zuletzt durch das warme, trockene Wetter begünstigt wurde. Ein paar Sonnenstrahlen und der wunderschöne Ausblick von der Plattform des Mailänder Doms wurde mir dennoch zu Teil. Das geduldige Warten in der endlos langen Touristenschlange hat sich gelohnt- aber der Schein trügt. 

In der lombardischen Hauptstadt galt angesichts der hohen Feinstaubkonzentration für mehrere Tage ein Fahrverbot. Fast gespenstisch schien mir ein Spaziergang entlang der Carchia dei Bastioni, dem sonst so staulastigen Ring im Herzen Mailands. Nur ein paar einsame Autos verirrten sich in den Straßen der Stadt. Es gab ein dreitägiges Fahrverbot. Mit dem eingeführten „Anti-Smog- Ticket“ um 1,50 Euro pro Tag für Öffis, wurde wohl nicht nur für Touristen ein großer Anreiz geschaffen die öffentlichen Verkehrsmittel vermehrt zu nutzen. Das Feuerwerks-Verbot zu Silvester ließen aber so manche, gleich samt den Böllern, in die Luft gehen. Insgesamt beschränkte sich das Knallen dennoch eher auf die Sektkorken. Gut so. Der Expo 2015-Gastgeber sprudelte aus meiner Sicht trotz kühlem, gefühlslosem Ruf in all seinen Facetten. Die architektonisch einmalige Piazza Gae Aulenti oder das pulsierende Zentrum laden ein zum Verweilen und bieten viele schöne Momente. Noch sind die Folgen der Klimaerwärmung nur bedingt spürbar, im einen oder anderen Gebiet unserer Erde. Und zu Silvester, wenn die Feierlaune im Smog erstickt.

Das Klima geht uns alle an!

Eine alte Bauernregel besagt, dass das Wetter nach Neujahr bestimmt, was das ganze Jahr so bringt. Der langersehnte Regen an meinem Abreisetag stellte zumindest große Erleichterung dar. Es sollte uns allen aber zu denken geben, dass die unersättliche Gier der Menschheit nach immer mehr, die Ressourcen unserer Erde, und damit unsere Lebensgrundlage und nicht bloß den Silvesterabend zerstört.

Das Klima geht uns alle an

Der vergangene Dezember war seit Beginn der Wetteraufzeichnungen einer der wärmsten, und zieht das fruchtbare Tiefland im Norden Italiens beachtlich in Mitleidenschaft. Durch den Klimawandel ist nicht nur die Pflanzen- und Tierwelt der Po-Ebene betroffen, sondern hat für uns alle große Auswirklungen. Der UN-Klimagipfel in Paris brachte 195 Nationen an einen Tisch, um über den künftigen Umgang mit der Erdatmosphäre zu debattieren. Vielversprechend ist die ausgearbeitete Strategie der Staatengemeinschaft, doch ob die angestrebte „1,5 Grad“ – Maximalerwärmung realistisch ist, wird sich zeigen. Die gegenwärtige subtropische Erwärmung des Nordpols lässt mehr erschrecken als hoffen. Wenn wir unseren Planeten weiterhin ausbeuten, werden wir der Verantwortung uns selbst und nachfolgender Generationen gegenüber nicht mehr gerecht.

Was können wir tun?

Die gravierenden Folgen der Erderwärmung ist einem Großteil der Bevölkerung nicht bewusst, dabei bräuchte es gar nicht so viel. Der Sinn persönlichen Einsatzes im Kampf gegen den Klimawandel ist nicht zu unterschätzen. Wenn wir bereit sind unser Konsumverhalten zu ändern, mehr Wert auf regionale, saisonale Lebensmittel legen, recyclingfähige Produkte kaufen, „share and care“ – Dienste in Anspruch nehmen, und statt mit dem Auto wieder öfter U- Bahn fahren würden, dann hätten wir schon einen wesentlichen Beitrag für eine gesunde Umwelt geleistet. Eine energieintensive Bequemlichkeit hilft uns nicht weiter.