Der Illusionist

Ibrahim “Hima” Aly ist technischer Leiter und Tänzer bei der Dance-Industry, die durch Shows wie “Got to Dance” und “Die große Chance” bekannt geworden ist. Jetzt entwickelt das 24-jährige Allround-Talent eine Idee, mit welcher er Film nicht nur zu einem Ereignis, sondern auch zu einem pulsierenden Erlebnis werden lässt. Ein Interview über Visionen, Leidenschaft und Authentizität.

Was ist deine Idee Hima?

Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Johannes Ellersdorfer, habe ich vor, StarLabs ins Leben zu rufen. Es geht mir darum, Filme realer werden zu lassen und Zuschauer mittels einer Spezialbrille in eine virtuelle Welt aus Illusionen zu holen, in der sie selbst entscheiden, was sie sehen wollen. Das verbinde ich mit realen Effekten wie Wind und Wasserspritzern, sowie mit Schauspielern, die das Szenario noch erweitern. Das Erlebnis für die Zuschauer setzt sich sogar noch fort, nachdem sie ihre Brille abgenommen haben, da sie mittels echter Schauspieler weiter im Bann des Abenteuers gefangen bleiben. Dadurch soll die Barriere zwischen Illusion und Realität praktisch ausgelöscht werden. Für unsere Gäste wird das Spektakel möglichst real-erlebbar sein und zu einem einzigartigen Erlebnis werden. Beim ersten Projekt “Virtual Worlds” habe ich mich auf Horror spezialisiert. Wir starten also gleich mit einem Knall (grinst).

Foto: Jürgen Jauth

Foto: Jürgen Jauth

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich selbst bin ein großer Kino-Fan und genieße es, mich ganz klassisch an einer Vorstellung mit Popcorn zu erfreuen. Es ist für mich etwas Besonderes, wenn ich einen Film im Kino anschaue. Doch leider ist das Kino mittlerweile abgestumpft, man erlebt den Kinobesuch nicht mehr so intensiv wie früher. Deswegen habe ich mir überlegt, wie ich dem abhelfen kann und die Besucher wieder in den Zauber von Illusionen und anderen Welten ziehen kann. Dass ich Künstler und Technischer Leiter bei der Dance Industry zugleich bin, ist bei der Entwicklung der Idee eine große Hilfe. Ich weiß, wie man Menschen begeistern, und ihnen ein grandioses Erlebnis bescheren kann. Gleichzeitig verstehe ich die technischen Facetten und Problematiken, mit denen ich bei dieser Arbeit konfrontiert werde.

Was ist deine Motivation?

Ich möchte die Menschen durch diese Erfahrung bereichern und ihnen einen neuen Zugang zum Kino und Theater eröffnen. Sie sollen mitten im Geschehen sein können und dürfen. Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man eine Achterbahn der Emotionen erlebt. Man spürt das Leben. Das will ich meinen Besuchern ermöglichen.

Woher kommt deine Begeisterung für Technik?

Bereits im Kindergarten habe ich zu meiner Mutter gesagt, dass ich Erfinder werden würde. Das Bedürfnis zu werken und Neues zu gestalten hatte ich seit meiner Kindheit. Letztendlich habe ich immer das gemacht, was mir Spaß gemacht hat und bin dann auf die technisch begleitende Hauptschule gegangen. Danach kam die HTL, in der ich mich auf Mechatronik spezialisierte. Nach meinem neunten Jahr arbeitete ich 6 Jahre im Maschinenbau, und begann anschließend ein Studium in Biomedizinischer Technik. Nach 2 Jahren entschied ich mich jedoch für den Tanz und brach mein Studium ab. Das war zu dem Zeitpunkt eine risikoreiche Entscheidung, aber im Nachhinein bin ich froh und stolz darauf. Als technischer Leiter bei der Dance Industry konnte ich beides weiterverfolgen und meine Leidenschaften kombinieren.

Virtual World

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Wie hat sich euer Team gebildet?

Johannes und ich haben gefragt, wer denn Interesse hätte mit uns und dem Projekt zu wachsen. Es war natürlich von Vorteil, dass wir bereits ein Kern-Team aus Persönlichkeiten haben, und uns hundertprozentig aufeinander verlassen können. So hat sich dann ein Kreis aus Mitarbeitern gebildet, mit denen wir jetzt gemeinsam am Projekt arbeiten.

Hast du Vorbilder?

Vorbilder nicht wirklich. Aber es gibt zwei Personen, die mich in meinem Leben schwer beeindruckt haben. Die erste war mein Chef im Maschinenbau, Christian Frager.  Er ist eine charismatische Persönlichkeit. Ich habe ihn aufgrund seiner Ehrlichkeit sehr schätzen gelernt. Ehrlichkeit und eine aufrichtige Position sind fundamental, wenn man auf zwischenmenschlicher Ebene gesunde Beziehungen aufbauen will. Wenn man dies nicht tut, entstehen Frustration und Groll, da sich ungesunde Gefühle anstauen. Mit ihm konnte ich auf privater und beruflicher Ebene immer reden, selbst wenn es Probleme gab. Beides muss natürlich im Berufsleben getrennt werden, aber zur richtigen Zeit war ein Gespräch mit ihm immer hilfreich. Zudem hat er sich eine unglaubliche Fülle an Wissen und Know-How angeeignet, von der ich sehr profitieren konnte. Die zweite Person lernte ich im Heim kennen, in dem ich vom 15. bis zum 19. Lebensjahr wohnte. Mein Betreuer Thomas Pipan war ein sehr fairer und liebenswerter Mensch, der durch seine Authentizität auffiel, und auf seine Art und Weise etwas ganz besonderes für mich war.

Was waren herausragende Momente für dich beim Tanzen?

Ein großartiges Ereignis war „Die große Chance“. Wir hatten selbst unter Stress ein familiäres Verhältnis zueinander, und jeder gab sich Mühe jeden anderen fair zu behandeln. Ich hatte mir damals den Fuß gebrochen, aber getanzt habe ich trotzdem (lacht). Wenn ich genau überlege, fällt mir auf, dass es unzählige emotionale Momente gab, die mir gezeigt haben, dass es damals die richtige Entscheidung war, mein Studium abzubrechen. Wir sind als Team über die Jahre hinweg extrem  gewachsen, und all die Emotionen und Erinnerungen, die wir erleben durften, rechtfertigen den Einsatz, den wir gebracht haben. Zu Beginn haben wir noch mit normalen Kostümen getanzt. Schließlich kamen unsere LED Anzüge dazu, und im Laufe der Jahre haben wir uns die Möglichkeiten erarbeitet international auftreten zu dürfen. Wir waren in England, Italien, und der Schweiz, und haben uns zu einer festen Größe im Show Business entwickelt.

Du hattest anscheinend immer ein Faible für Technik. Woher kommt da die Verbindung zum Tanz?

Ich glaube, das kam über meine Mutter. Sie ist Bauchtanzlehrerin. Als ich jünger war, tanzte ich Standardtänze, wobei ich zum Leidwesen meiner Tanzpartnerin damals noch kein sehr ausgeprägtes Taktgefühl hatte. Sie übernahm die Führung (schmunzelt). Als ich begann mit Freunden fortzugehen entdeckte ich meine Leidenschaft für die Musik und das Tanzen in der Disco. Auch wenn meine Dance Moves etwas sperrig waren, brachte ich mir nach und nach bei, nicht nur Hände, sondern meinen gesamten Körper zu nutzen. Schließlich kam eine gute Freundin zu mir und meinte, dass ich unbedingt mal zu einem Workshop der Dance Industry kommen sollte. Obwohl ich kein Freund von Workshops bin, folgte ich ihrem Rat und fühlte mich sofort wohl. Es war höchst familiär und jeder begegnete dem anderen  auf Augenhöhe. Das gefiel mir so gut, dass ich dabei geblieben bin. Durch die Dance Industry kann ich meine beiden Leidenschaften zugleich ausleben.

Was war das Besondere?

Es war das bereits angesprochene familiäre Verhältnis zu den anderen. Dieses Gefühl, ohne Vorbehalte angekommen und angenommen zu sein, ist für mich ein elementarer Bestandteil einer Firma. Es sind die Beziehungen und das Wir-Gefühl, das über den Erfolg eines Unternehmens entscheidet. Wenn das Team harmonisiert, ist der Weg frei für Neues und frische Ideen.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind wie der Zement beim Neubau. Sie halten alles zusammen

Deswegen ist es mir auch wichtig, dass ich Menschen um mich habe, denen ich vertrauen kann und auf die ich mich verlassen kann.

Wer ist für dich in deinem Leben die größte Unterstützung?

Meine Freundin und der Johannes haben mir beide sehr oft geholfen. Aber ich muss frecherweise gestehen, dass ich für mich selbst die größte Stütze bin. Ich wuchs ohne Vater auf, und so musste ich früh lernen auf mein Gefühl zu hören. Für mich war es nie sinnvoll, mich hängen zu lassen oder mich zu bemitleiden. Ich wusste, wenn ich es schaffen will meine Ziele zu verwirklichen, muss ich produktiv bleiben. So konnte ich Schritt für Schritt lernen und herausfinden, was mir Spaß macht. Diese Einstellung hat mir geholfen, wenn es darum ging wichtige Entscheidungen zu treffen. Ich selbst trinke nicht und rauche nicht. Ebenso habe ich kein Interesse an Drogen. Als ich es hätte probieren können habe ich abgewogen, ob ich diesen Dingen in meinem Leben einen Platz geben will. Das kam für mich nicht in Frage.

Wie würdest du diese Einstellung beschreiben?

Als strategisches Denken. Ich wurde von Zeit zu Zeit auch schon als Schwarz-Weiß Seher beschimpft, weil viele meiner Entscheidungen sehr radikal wirken. Aber für mich gibt es einfach nur ein „Ja“ oder „Nein“. Etwas zwischendrin wäre ein Kompromiss mit dem ich nicht leben will.

Ich merkte, dass ich, um im Leben erfolgreich sein zu können, körperlich und mental in Topform sein muss.

Gab es für dich einschneidende Erlebnisse, die deinen Charakter geprägt haben?

Im Alter von 17 Jahren startete ich mit meinem Training für den Triathlon. Ich nutzte jede Minute für meinen körperlichen und mentalen Fortschritt, weil ich unbedingt am Iron Man teilnehmen wollte. Leider war ich noch zu jung mit 17, aber ein Jahr später war es so weit und ich konnte den Iron Man erfolgreich abschließen. Diese Erfahrung war für mich prägend, weil sie mir zeigte, was ich erreichen kann, wenn ich etwas wirklich will, und meine Ziele hartnäckig verfolge. Ich merkte, dass ich -um im Leben erfolgreich sein zu können- körperlich und mental in Topform sein muss

Was ist dein Leitfaden?

Um ehrlich zu sein, versuch ich selber mein Leitfaden zu sein. Dabei gehe ich objektiv vor und analysiere für mich die Lage. Ich beziehe aber immer alle Komponenten ein, weil wir ja nicht nur aus dem Kopf bestehen. Wir sind Menschen, haben Gefühle, einen Körper und einen Verstand. Nur wenn ich alle Ebenen abklopfe kann ich mir sicher sein, die bestmögliche Entscheidung getroffen zu haben.

Ein Held ist jemand, der seine Gedanken zu Ende lebt.

Wie definierst du den Begriff Helden?

Ein Held ist eine Person, die sich von der Menge unterscheidet. Jemand, der nicht nur träumt, sondern auch macht. Träumen ist zwar schön, aber wenn du nur träumst, bleibst du Träumer und kommst nicht weiter. Es muss Ausdauer in dem sein, was man macht, und der Ehrgeiz vorhanden sein, Dinge zu Ende zu bringen. So gesehen ist ein Held ein Macher, der aber auch einen aktiven Beitrag zur Gesellschaft leistet, sonst würden seine Mühen verpuffen. Ein Held ist jemand, der seine Gedanken zu Ende lebt.

Siehst du dich selbst als Held?

Nein, ich bin maximal Stolz darauf, dass ich meine Ziele erreicht habe. Ich würde mich aber nie über andere stellen. Dazu bin ich nicht berechtigt.